Naturschutzfachliche und artenschutzrechtliche Berücksichtigung der Biodiversität allgemein

Jeder Planung geht bereits zu einem sehr Planungsstadium ein Abstimmungstermin – das sog. Scoping – mit allen Trägern öffentlicher Belange (TöB) voraus. Dabei wird, unter Beteiligung aller TöB, der erforderliche Untersuchungsumfang festgelegt; u. a. auch, welche Arten zu berücksichtigen sind und welche Erfassungen und Gutachten diesbezüglich durchzuführen sind. Die Grundlage des Untersuchungsumfanges bildet dabei grundsätzlich das jeweilige Regelwerk des Bundeslandes, i. d. R. ein Erlass oder ein Leitfaden mit meist zusätzlichen Anlagen. Diese enthalten meist genaue Vorgaben zu den Rahmenbedingungen aller durchzuführenden Untersuchungen, z. B. wie bestimmte Kartierungen oder Erfassungen methodisch durchzuführen sind. In Rheinland-Pfalz ist dies aktuell der Leitfaden Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung in Rheinland-Pfalz. Artenschutz (Vögel, Fledermäuse) und NATURA 2000-Gebiete des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland Pfalz (MKUEM, früher MUEEF) von 2012, der durch eine Reihe zusätzlicher Regelwerke (z. B. Erlasse, methodische Leitfäden und Arbeitshilfen; siehe hier) ergänzt wurde. Obere und Untere Naturschutzbehörden sind in den Planungs- und Genehmigungsprozess dabei stets integriert. Über diesen Ablauf wird eine adäquate Behandlung aller naturschutzfachlichen Belange sichergestellt.

  1. d. R. wurden bereits im Vorfeld der konkreten Standortplanung im Rahmen der Ausweisung von Windvorranggebieten auf Ebene der Regionalplanung potentiell für die Windenergienutzung geeignete Gebiete ausgewählt und entsprechend ausgewiesen. Diese Gebiete liegen dort, wo insgesamt keine oder nur sehr geringe Artenschutzkonflikte erwartet werden. Bei der konkreten Standortplanung durch den Vorhabenträger wird dann stets gemäß dem Grundsatz der Konfliktvermeidung und -minimierung innerhalb der vorgegebenen Gebietskulisse noch einmal darauf geachtet, dass für die Standorte der geplanten WEA diejenigen Orte mit dem geringst möglichen Konfliktpotenzial ausgewählt werden. Im Wald z. B. Windwurf-Flächen oder Flächen, die durch starken Borkenkäferbefall ohnehin bereits geschädigt/entwaldet sind (sog. Kalamitätsflächen); an Offenland-Standorten z. B. bevorzugt bereits intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen. Eine Konfliktvermeidung durch eine umsichtige Standortwahl ist stets der erste wichtige Schritt für einen adäquaten Arten- und Biotopschutz.

Der vorgegebene Untersuchungsrahmen aus den zuvor genannten Regelwerken in Rheinland-Pfalz gibt die Erfassung der relevanten ortsansässigen Brutvogelarten vor. Dazu sind in den Regelwerken alle planungsrelevanten Arten genannt und wie diese zu untersuchen sind; u. a. wird dort der Untersuchungsraum, die Erfassungsmethode(n) sowie der Mindestaufwand und die adäquaten Erfassungszeiten und -zeiträume für die jeweiligen Arten genau festgelegt. Für die Bestandserfassungen werden dabei zwei Bereiche (in Form von Puffer-Radien) unterschieden: der Mindestabstand und der (erweiterte) Prüfbereich. Dabei ist der Mindestabstand als Radius um die Gesamtfläche des Windparks und dem Nistplatz der jeweiligen in den Anlagen 2 und 3 geführten Art zu verstehen. Innerhalb des (erweiterten) Prüfbereiches ist zu untersuchen, ob Schutzmaßnahmen im späteren Betrieb des Windparks (wie Betriebsregulierungen) erforderlich sein können. Dieser Bereich ist i. d. R. deutlich größer und verlangt ebenfalls umfangreiche Kartierungen und/oder (Verhaltens-)Beobachtungen (z. B. Erfassung der Raumnutzung in Form von Flugbewegungen).

In den folgenden Abschnitten wird für die wichtigsten Artengruppen der Untersuchungsumfang kurz umrissen und dargestellt, was für den geplanten Windpark Saulheim-Partenheim an Untersuchungsaufwand im Rahmen von ersten Voruntersuchungen geleistet wurde:

Durch die umsichtige Standortwahl für die geplanten WEA wurde bereits größtenteils die mögliche Betroffenheit von Arten und Biotopen ausgeschlossen oder auf ein Minimum reduziert. Der vorgegebene Untersuchungsrahmen aus dem Leitfaden (Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der indenergienutzung in Rheinland-Pfalz) sieht grundsätzlich eine Bestandsaufnahme in Form einer Brutvogelkartierung für alle potenziell ortsansässigen Arten vor. Diese Erfassung erfolgt im 500 m Radius um die geplanten WEA und beinhaltet eine Revierkartierung aller Brutvogelarten und im 3 km Radius eine Horstsuche für alle relevanten Großvogelarten in der unbelaubten Zeit vor der Revierkartierung. Entsprechend erfolgt bei allen WEA-Vorhaben mindestens eine vollständige Kartierung des gesamten Brutvogelbestandes innerhalb der gesamten Fläche, die gem. der Vorgaben des Leitfadens für Rheinland-Pfalz vorgegeben ist.

In der Region rund um Saulheim-Partenheim im Bereich der Gemeinde(n) XXX (und XXX) wurden bereits 2021 erste/alle avifaunistischen Brutvogelkartierungen durchgeführt. Auf diese Weise liegt ein detaillierter Kenntnisstand zum Vorkommen und der räumlichen Verteilung der ortsansässigen Brutvögel vor, das aus den Erfassungen durch erfahrene GutachterInnen mit fundierten Fachkenntnissen resultiert. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden auch ortsansässige Ornithologen befragt und u. a. Langzeitdatensätze aus Erhebungen der vergangenen Jahrzehnte in die Betrachtung mit einmbezogen. Dadurch kann nicht nur der aktuelle Status quo beurteilt werden, sondern auch die Dynamik der letzten Jahre und ob sich im Laufe der Zeit Veränderungen ergeben haben.

Wie zuvor beschrieben erfolgte 2020 bereits eine Brutvogelkartierung im 500 m Radius um die geplanten Windenergieanlagen, sowie eine Horstsuche im 3 km Radius für die Groß- und Greifvogel-Arten.

Besonders schwererfassbare Arten, die z. B. sehr unauffällig und versteckt leben oder nachtaktiv sind, werden i. d. R. nach den Vorgaben aus den Leitfaden-Dokumenten und international üblicher Methodenstandards erfasst. Im Fall von dämmerungs- und nachtaktiven Arten kann hierbei z. B. der Einsatz von Klangattrappen erfolgen. Dabei werden z. B. Reviergesänge oder typische Kontaktrufe der jeweiligen abgespielt und dann mögliche Antwortreaktionen dokumentiert, die auf ein Vorkommen der Art schließen lassen.

Auch das Zug- und Rastvogelgeschehen vor Ort, wird im Rahmen genau festgelegter methodischer Standards fachgutachterlich auf allen möglicherweise betroffenen Flächen innerhalb festgelegter Untersuchungsradien erfasst und anschließend in Bezug auf mögliche Konflikte bewertet. Auch hierfür geben die Leitfaden-Dokumente in Rheinland-Pfalz genaue Rahmenbedingungen wie den Untersuchungsumfang vor.

So wurde 2021 eine Rastvogelerfassung (inkl. Ruhestätten, Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebiete) mindestens im 2 km Radius um die geplanten Anlagenstandorte durchgeführt. Entsprechende Erfassungen erfolgten außerdem für alle ggf. im Einzugsbereiches des Untersuchungsgebietes gelegene, für Rastvögel geeignete Bereiche.

Ebenso wurde 2021 eine Systematisierte Zugvogelerfassung für den Herbstzug und den Frühjahrszug im 1 km Radius um die geplanten Anlagenstandorte für alle ziehenden Kleinvögel durchgeführt; bei Großvögeln wie z. B. dem Kranich wurde ggf. auch über diesen Radius hinaus erfasst, wobei der Fokus hier auf den Massenzugtagen lag.

Auch den Fledermaus-Arten erhalten im Rahmen der Untersuchungen für UVP bzw. dem Genehmigungsverfahren eine besondere Berücksichtigung.

Für alle ortsansässigen Arten ist daher gem. Leitfaden (Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der indenergienutzung in Rheinland-Pfalz) eine Kartierung aller Fortpflanzungs-, Aufzucht- und Ruhestätten (Wochenstuben, Sommer- und Winterquartiere, Flugkorridore, Jagdräume und deren funktionale Zusammenhänge) vorgesehen. Dementsprechend wurde 2021 eine solche Kartierung 1 km Radius um die geplanten Anlagenstandorte vorgenommen, soweit die entsprechenden Lebensraumstrukturen (Wälder, Wald-Offenland-Komplexe, Fließ- und Stillgewässer, Heckenlandschaften, Streuobstwiesen, Gebäude) dort vorhanden waren. Dazu wurden gem. Leitfaden an mehreren Tagen Transekte mit mobilen Fledermaus-Detektoren entlang geeigneter Habitatstrukturen abgelaufen und alle dort aktiven Arten erfasst und dokumentiert. Zusätzlich dazu erfolgten parallel zu den Transekt-Begehungen punktuelle Dauererfassungen mit Hilfe stationärer Erfassungsgeräte (sog. Horchboxen/-kisten) an geeigneten Stellen im Bereich der geplanten Anlagenstandorte über den gesamten Nachtzeitraum. Außerdem wurde entlang der Zuwegungen und um die geplanten Anlagenstandorte nach Höhlenbäumen gesucht, die als saisonale Quartiere für baumhöhlenbewohnende Arten dienen könnten.

Um potentielle Wanderungen ziehender Fledermaus-Arten im Frühjahr und Herbst zu berücksichtigen, sind gem. Leitfaden ebenfalls umfangreiche Untersuchungen vorgegeben. 2021 wurden daher im 1 km Radius um den gesamten Bereich der geplanten Anlagenstandorte entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Auch hierbei kamen wieder Transekt-Begehungen mit mobilen Fledermaus-Detektoren und Horchboxen mit stationären Erfassungsgeräten zum Einsatz (s. o.).